Pressespiegel

 

Schulleiterin will Schülern aufzeigen, was sie alles können

Andrea Rickers, WAZ 21.11.2019

Sabine Meder hat an der Ruhruniversität in Bochum gearbeitet, bevor sie Lehrerin wurde und vor rund zwanzig Jahren eine Stelle an der Gesamtschule Alt-Oberhausen, heute Fasia Jansen, antrat.
(Foto: Gerd Wallhorn/FUNKE Foto Services)

Oberhausen. Die Fasia-Jansen-Gesamtschule in Oberhausen hat seit diesem Schuljahr eine neue Leitung: Sabine Meder will Talente von Schülern zu Tage fördern.
Vor zehn Minuten ist sie aus dem Matheunterricht gekommen. „Ein wunderbares Fach“, schwärmt Sabine Meder. Das klingt bei der 57-Jährigen sogar für Menschen überzeugend, die sonst eher mit der Rechnerei fremdeln. Zum Lehren kommt die promovierte Biologin seit diesem Schuljahr aber nicht mehr so viel, Sabine Meder leitet jetzt die Fasia-Jansen-Gesamtschule in Alt-Oberhausen.
Damit managt die Mutter von zwei erwachsenen Zwillingstöchtern nun eine Schule mit rund 1200 Schülern und einem Kollegium von 95 Lehrern. Vor knapp zwanzig Jahren, im Februar 2000, hat Sabine Meder an der „Fasia“ angefangen, die damals noch Gesamtschule Alt-Oberhausen hieß. „Ihre“ Schule kennt sie nach so langer Zeit aus dem Effeff: Als Klassenlehrerin, Beratungslehrerin für die Oberstufe, Vorsitzende der Fachkonferenz Mathematik oder als Stellvertreterin für den ehemaligen Schulleiter Karl-Heinz Burkart (der im Sommer 2019 in Ruhestand gegangen ist) hat sie das Schulleben aus verschiedenen Perspektiven kennen gelernt.

Aus dem Elfenbeinturm raus

Eine „Liebesheirat“ sei die Anstellung an der Oberhausener Schule nach dem Referendariat nicht unbedingt gewesen, erinnert sich Meder, die gebürtig aus Hamm kommt und nun seit zwei Jahrzehnten schon in Essen wohnt, eher eine „praktische Entscheidung“. Die Diplom-Biologin hat 14 Jahre an der Ruhruniversität Bochum in ihrem Fach gearbeitet, aber aus dem „Elfenbeinturm wollte ich raus“, sagt die Schulleiterin. Sie studierte begleitend Mathematik und absolvierte nach dem ersten Staatsexamen ihr Referendariat unter anderem in Duisburg-Marxloh.
Bei ihrer Einstellung als Lehrerin sei die Schulform ihr eigentlich egal gewesen, aber es brauchte nicht lange, um Sabine Meder zu einer überzeugten Vertreterin der Gesamtschule zu machen. „Die Vorteile des Systems habe ich hier kennen gelernt“, sagt sie. „Viele Kinder verändern sich im Laufe der Zeit sehr“, als Schule des längeren gemeinsamen Lernens „stehen wir dafür, eine frühzeitige Festlegung zu vermeiden und die verschiedenen Möglichkeiten lange offenzuhalten“. So könnten die Talente von Schülern besser entwickelt und viele Enttäuschungen in der Schulkarriere vermieden werden. „Sollte etwas mal nicht funktionieren, so ist das mit einem Kurswechsel verbunden, aber nicht mit einem Schulwechsel“, sagt Sabine Meder.

Päckchen zu tragen

Ihr Credo: „Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung“. „Das müssen wir an dieser Schule umsetzen“ – nicht immer leicht, die „Fasia“ hat einen hohen Anteil an Schülern mit Zuwanderer- oder Fluchtgeschichte, als „Schule des gemeinsamen Lernens“ werden hier auch Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf unterrichtet. Viele Schüler „haben ein ganz schönes Päckchen zu tragen“, weiß Sabine Meder. Wie damit umgehen? „Wir versuchen unseren Schülern Selbstwirksamkeit zu vermitteln, sie sollen sich nicht als Getriebene oder Abgehängte wahrnehmen, sondern erfahren, dass wir ihnen etwas zutrauen, damit sie sich selbst etwas zutrauen.“ Und so ihr Leben selbst gestalten können.

In den Stadtteil hineinwirken

Ein Projekt zu Ende bringen, sich verantwortlich für etwas fühlen – das können die Schüler auch beim Video-Dreh zu einem Rap trainieren oder beim Pflegen des Schulgartens. „Dann bekommt man sie anderer Stelle auch dazu Mathe oder Vokabeln zu lernen“, ist Meder überzeugt. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit ihrer Schülerschaft schätzt die Schulleiterin sehr, sagt sie, das sei „Herausforderung und Inspiration zugleich“. Ihre Schule habe ein klares Profil mit einer Sportklasse und als Kulturschule. Ihre Schule könnte noch mehr „nach außen gehen“, in den Stadtteil hineinwirken oder soziales Engagement ausbauen, formuliert Sabine Meder pädagogische Ziele, die sie noch umsetzen will.
Auf ihrer Wunschliste an den Schulträger stehen ganz oben zwei Sachen: „Wir brauchen dringend neue naturwissenschaftliche Räume und einen Anbau, wir platzen aus allen Nähten.“ Als Ganztagsschule benötige die „Fasia“ eben auch Räume für Ganztagsangebote.
Von all dem, was sie im Schulleben umtreibt, kann Sabine Meder in ihrer Freizeit beim Wandern, Lesen, Handarbeiten, Kochen, Paddeln oder der Gartenarbeit Abstand nehmen. Oder dabei über die nächsten Schulprojekte nachdenken.


Der Lotse geht von Bord…

Mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Redaktion Oberhausen veröffentlichen wir an dieser Stelle die Reportage der Redakteurin Andrea Rickers, die unseren Schulleiter interviewte:

19 Jahre lang war Karl-Heinz Burkart Leiter der Fasia-Jansen-Gesamtschule. Zum Abschied hat er einen großen Wunsch an die Schulpolitik in NRW.

Schulleiter Karl-Heinz Burkart im Schulflur vor dem Lehrezimmer der Fasia-Jansen-Gesamtschule. (Foto: Michael Dahlke/FUNKE Foto Services/WAZ Oberhausen)

Lange Reden hat er sich verbeten und selbst will Karl-Heinz Burkart auch nicht viele Worte verlieren bei seiner Abschiedsfeier, nur ein paar schöne Stunden verbringen mit Kollegen, Weggefährten, Stadtvertretern und Schülern. Dabei könnte der 65-Jährige eine Menge erzählen aus seinem Schulleiter-Leben.

Immerhin 28 Jahre ist Karl-Heinz Burkart in verantwortlicher Position an der Fasia-Jansen-Gesamtschule in Alt-Oberhausen, früher Gesamtschule Süd, tätig. Die letzten 19 Jahre ist der gebürtige Lübecker der Leiter der „Fasia“ mit ihren rund 1200 Schülerinnen und Schülern und rund 100 Lehrern gewesen. Nun stehen für den Mathe- und Physiklehrer die letzten Tage an seiner Schule an der Schwartzstraße an, am 31. Juli ist offiziell Dienstschluss.

Ein komisches Gefühl? Burkart sitzt in seinem schon sehr aufgeräumten Büro und guckt unschlüssig. „Ob ich traurig bin, kann ich noch nicht einmal so genau sagen“, meint er nachdenklich, „ich weiß nicht, ob ich es verkrafte oder vermissen werde, nicht mehr gestalten und mitreden zu können.“ Er ist auf jeden Fall für einen klaren Schnitt, will seinen Nachfolgern nicht reinfunken, „ich laufe hier nicht mehr auf“. Er hofft, dass seine bisherige Stellvertreterin Dr. Sabine Meder die Schulleitung übernimmt, das sei aber noch nicht entschieden.

Der Bücherfan oder „Bibliomane“, wie Burkart sich selbst bezeichnet, freut sich auf viel mehr Zeit fürs Lesen und Sammeln von bedruckten Werken: von Expeditionsberichten über Romane bis zu Sachbüchern, „ich bin neugierig auf alles“. Die Regale in seinem Haus in Duisburg-Friemersheim sind jedenfalls gut gefüllt – und es dürfen noch mehr werden. Zeit für die Enkelkinder, dreieinhalb Monate und dreieinhalb Jahre alt, hat der vierfache Vater dann künftig im Ruhestand auch.

In Dortmund hatte Karl-Heinz Burkart studiert und sein Referendariat absolviert, um danach eine Stelle ein der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Oberhausen-Schmachtendorf anzutreten, damals noch Gesamtschule Nord.

Der scheidende Schulleiter Karl-Heinz Burkart in der Schulbibliothek der Fasia-Jansen-Gesamtschule. (Foto: Michael Dahlke/ FUNKE Foto Services)

Lehrer geworden zu sein, „habe ich nie bereut“, die Arbeit mit den Schülern „hat mir immer Spaß gemacht“. Bis vor anderthalb Jahren hat Karl-Heinz Burkart noch Unterricht gegeben, auch wenn er es als Schulleiter nicht mehr gemusst hätte. Ja, er gelte wohl als strenger Lehrer, gibt Burkart zu, „ich habe bestimmte Vorstellungen, wie der Unterricht abzulaufen hat“: Regeln, Respekt, Mitarbeiten. „Ich erwarte nicht, dass die Schüler meine Fächer mögen“, sagt Burkart nordisch-trocken, „aber abschmieren muss keiner.“ Was Kraft gibt, sind positive Rückmeldungen zum Beispiel von Ehemaligen, die vorbeikommen und „schnacken“ wollen. „Es ist schön zu erleben, dass die einen nicht vergessen haben.“

Ruhiger angehen lassen konnte es Karl-Heinz Burkart auf der Zielgeraden seines Berufslebens nicht. Da musste der Kaffeetrinker abends schon mal einen Beruhigungstee zum Runterkommen trinken. Es sei nicht die eigentliche Arbeit in der Schule, die den Kopf summen lässt, sondern die Veränderungen in der Gesellschaft, die sich zunehmend polarisiere, was auch in der Schule zu merken sei. Burkart zählt den Einfluss der digitalen Medien auf seine Schüler genauso dazu wie die zunehmende Haltung von Eltern, sich gleich bei Bezirksregierung oder Ministerium über einen vermeintlichen oder tatsächlichen Missstand zu beschweren, anstatt vor Ort das Gespräch zu suchen.

Schulpolitisch seien in Oberhausen Weichen falsch gestellt worden, kritisiert Karl-Heinz Burkart, der auch viele Jahre Sprecher der weiterführenden Schulen in Oberhausen war. Grundsätzlich falsch ist aus seiner Sicht der Beschluss gewesen, die Hauptschulen abzuschaffen, „ohne für einen adäquaten Ersatz zu sorgen“. Durch das Fehlen der Hauptschulen „ist dem gegliederten Schulsystem hier die Basis weggekippt“. Nun würden Gesamtschulen als Ersatzhauptschulen rangezogen, was so nicht vorgesehen sei. „Wir brauchen einen neuen Ansatz in der Schulpolitik in ganz NRW. Entscheidungen sollten nicht von Wählerstimmen abhängig gemacht werden, sondern sachbezogen erfolgen“, wünscht sich der Schulleiter zu seinem Abschied.


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